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Nirvana

Nirvana ist ein Begriff, den man hauptsächlich aus dem Buddhismus kennt. Nirvana bedeutet das Ende allen Leids, die Erlösung und Erleuchtung. Wer Nirvana erreicht, ist frei vom Rad der Wiedergeburten (Samsara), frei vom ewigen Kreislauf von Geburt und Tod. Nirvana bedeutet, dass man sich von allem, was uns an die materielle Welt bindet, gelöst hat. Es bedeutet, dass man wunschlos ist, ohne Willen, leidenschaftslos, frei von jedem Begehren und Verlangen, frei von jeder Anhaftung an die materielle Welt. Es war Gautama Buddha (563 - 483 v. Chr.), der Erhabene, der diesen Zustand erreicht, beschrieben und einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat.

Nirvana ist der Zustand des vollkommenen inneren Friedens, in dem keine Wünsche mehr existieren, uns nichts mehr fehlt und uns nichts mehr ängstigen und erschrecken kann. Wer Nirvana erreicht, hat vollständig erkannt und durchschaut, dass ALLES Materielle (grob- und feinstofflich, physische und höherdimensionale Welten, Körper und Geist, Licht- und Dunkelwelten, Himmel und Erde, Engel, Gott und die Götter, Gespenster, Dämonen usw.) vergänglich ist und damit letztlich IMMER Leid bedeutet. Im Zustand von Nirvana hat man alles zu 100% losgelassen, gibt es keine offenen Rechnungen mit nichts und niemandem mehr.

Nirvana ist ein Wort der Sprache Sanskrit und bedeutet „ausgelöscht“. Mit dem Erreichen von Nirvana sind alle materiellen, niederen Aspekte und Anteile des Wesens ausgelöscht. In Nirvana ist alles, was nicht zum Wesen gehört, verschwunden und abgestorben, das Selbst (das wahre Ich, das Individuum, die Seele) aber lebt weiter, strahlend und frei von allen niederen Aspekten (siehe hierzu auch Der Buddha lehrte nie, dass es das Ich nicht gibt). Nirvana ist gleichzeitig ein Zustand (des ewigen Glücks und Friedens) und ein Ort (aus dem die gesamte materielle Welt entsprungen ist).
         
Es gibt zwei Welten: das Vergängliche und das Ewige*

Es gibt zwei Welten: 1. die Welt des Vergänglichen (die materielle, sterbliche Welt) und 2. die Welt des Ewigen* (die immaterielle, unsterbliche, unzerstörbare Welt). Sonst gibt es nichts. Wir leben im Augenblick in der materiellen Welt des Vergänglichen. Unser innerster Kern, die unsterbliche Seele, ist jedoch Teil der ewigen Welt, ist unvergänglich, göttlich und unzerstörbar. Im Falle des Menschen hat sich das Unsterbliche (Ewige, Göttliche, Unzerstörbare) aus Unwissenheit mit dem Sterblichen (Vergänglichen, Materiellen) identifiziert.

Alles Vergängliche ist aus dem Ewigen entsprungen. Ohne die ewige Welt* gäbe es keine vergängliche Welt. Was geboren wird muss auch wieder sterben. Das gilt für alle Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen), gilt für das Mineralienreich (Steine, Metalle, Flüssigkeiten, Gase), gilt für alle Planeten, Sonnen und Galaxien, gilt für alle feinstofflichen, höherdimensionalen Welten und deren Bewohner (Engel, Gott und die Götter, aufgestiegene Meister, Dämonen, Schwarzmagier etc.). Alles Existierende, egal ob sichtbar oder für unsere Augen unsichtbar, ist irgendwann entstanden (geboren) und wird auch wieder vergehen (sterben). Nur das Ungeborene, zeitlos ewig Existierende, kann nicht sterben. Wahre Unsterblichkeit ist Existenz jenseits von Raum und Zeit, frei von Materie, Körper, Gefühl und Denken.

Gautama Siddhartha (Buddha) beschrieb das Immaterielle (das Ewige, Unsterbliche) und das Materielle (das Sterbliche, Vergängliche) wie folgt: „Es gibt ein Ungeborenes, Ungewordenes, nicht Gemachtes, nicht Gestaltetes. Gäbe es nicht dies Ungeborene, Ungewordene, nicht Gemachte, nicht Gestaltete, würde es für das Geborene, Gewordene, Gemachte, Gestaltete keinen Ausweg geben.“

* Anmerkung: Das Ewige, Ungeborene, Unsterbliche, Unzerstörbare wird in verschiedensten Religionen, Philosophien und Weltanschauungen beschrieben, wenn auch die Bedeutungen etwas variieren können. Nirvana bzw. Nirwana (oder auch Nibbana) ist der Name, den diese ewige Welt im Buddhismus trägt. Andere Richtungen haben andere Namen dafür gewählt, zum Beispiel Urgrund, Gott, heiliger Geist, das Höchste, das Absolute, das Raum- und Zeitlose, Universalgeist, Universalseele, Reich Gottes, Brahman, Parabrahman, Ewigkeit, Urlicht, universelle Weisheit, Himmel, Paradies, Jenseits, ewige Jagdgründe, die Einheit (wir sind alle eins), ewige Seligkeit, das Nichts, Erleuchtung, Erlösung, Unendlichkeit, das Metaphysische etc. 
          
Es gibt keinen Gott ausserhalb von uns selbst, wir können uns nur selbst erlösen

Nirvana ist das Unsterbliche, das Ewige, das Ungeborene, das Unvergängliche, das Unzerstörbare in uns. Dieses Unsterbliche, Ewige, Unvergängliche, Unzerstörbare können wir nur in uns selbst finden, niemals in der (vergänglichen) Aussenwelt. Wenn man überhaupt etwas als Gott bezeichnen will, dann ist es dieses Ewige, Unsterbliche, Unzerstörbare, unser aller gemeinsame und wahre (innerste) Heimat. In seinem Innersten – vollständig befreit von allem materiellen Gewand –, ist jeder Mensch und jedes Wesen ein Lichtwesen, göttlich, ein Gott.

Es gibt keinen Gott ausserhalb von uns selbst, keinen Gott, der uns (bzw. unsere unsterbliche Seele) erschaffen hat, keinen Gott, den wir anbeten sollen, keinen Gott, der uns erlösen kann. Wenn schon, dann sind wir selbst dieser Gott, denn nur wir selbst können uns erlösen von unserem Verlangen, von unserem Wollen, von unserem Begehren und unserem Durst nach der Welt. Alles Leiden, alles Erleben im materiellen Universum ist selbst verursacht (siehe Ich bin die Ursache). Deshalb kann auch nur jeder sich selbst erlösen. Gott ist der Zustand der Verlangenslosigkeit. Ein Mensch ist exakt soweit von Gott entfernt, wie er noch Wünsche hat, wie er noch Verlangen und Durst nach der (materiellen) Welt hat.

Ja, es gibt Gott und die Götter (der Gott der Christen, der Juden, der Muslime, Krishna, Vishnu und viele mehr), aber diese sind Teil des Kosmos, sterblich und begrenzt (auch wenn einige dieser Götter und ihre Anhängerschaft das Gegenteil glauben mögen). Selbst Gott und die Götter leiden unter Anhaftung, leiden immer noch unter Verlangenszuständen. Auch die höchsten Götter bedürfen der Erlösung (Nirvana). Auch diese können sich nur selbst erlösen, da auch deren Zustand selbst verursacht ist (siehe auch die Anhaftung an Gott).

Das wahre Glück

Das wahre Glück ist das Glück der Wunschlosigkeit. Je wunschloser man wird, umso mehr schafft man schon hier auf Erden eine Verbindung zu den höchsten Himmeln (den feinstofflichen Lichtwelten). Die Bewohner der Himmel sind umso wunschloser, je höher sie stehen. Nur Nirvana ist höher. Wer nichts mehr auf Erden will, dem öffnen sich alle Himmel. Wer nichts mehr im Himmel will, der hat Nirvana erlangt. Wenn ich Nirvana erreiche, erlischt die Welt für mich, ich erlösche für die Welt, aber ich erlösche nicht für mich selbst. Losgelöst und befreit von Körper, Gefühl und Denken, frei von allen Sinnen (sehen, hören, tasten, schmecken, riechen), frei von jeder Identifikation mit allem Vergänglichen, BIN ich immer noch, frei und glücklich!

Nur wer nichts mehr will, ist wirklich frei, nämlich frei vom Wollen. Wahre Freiheit ist Freiheit VOM Wollen und nicht IM Wollen. Das heisst: Ich bin nicht dann frei, wenn ich alles bekommen kann, was ich in der (materiellen) Welt will, sondern wenn ich nichts mehr will. Es ist unmöglich, dass nur ein einziges Wesen im Universum durch die Erfüllung all seiner (materiellen) Wünsche, durch das Erreichen der Objekte seiner Begierde, die restlose Vernichtung des Leidens erlangen könnte und damit ewig währendes Glück. Vollkommene Freiheit vom Leid, dauerhaftes, ewiges Glück kann einzig durch die Freiheit vom Wollen, durch die Abwesenheit des Verlangens, erreicht werden. Dauerhaftes Glück liegt jenseits der materiellen, vergänglichen Welt.

Anmerkung: Die Abwesenheit jeglichen Verlangens ist die notwendige Voraussetzung für das Erreichen von Nirvana, aber Nirwana und die Abwesenheit jeden Verlangens sind noch nicht die letzte und endgültige Wahrheit, noch nicht das Ende des Weges in die Freiheit. -> Siehe Was ist der Sinn des Lebens?
Der Buddha lehrte nie, dass es das Ich nicht gibt
  
Der Buddha lehrte nicht, dass es das Ich nicht gibt, sondern nur, dass es UNERKENNBAR ist. Er sagte, dass alles Erkennbare (alles Materielle) nicht das Ich ist. Nirvana bedeutet also NICHT, dass es kein Ich gibt, bedeutet NICHT die Auflösung des Ich, bedeutet NICHT, dass die Wesenheit (das Selbst, das Ich) ausgelöscht wird sobald Nirvana erreicht ist, wie es heute in zahlreichen buddhistischen Richtungen (inklusive Dalai Lama) gelehrt wird. Im Gegenteil: Je mehr sich ein Wesen von allem Materiellen und Vergänglichen (von seinen falschen Ichs, von dem was es NICHT ist, Pali: Anatta) löst, desto stärker und leuchtender kommt das wahre Ich, das wahre Selbst, zum Vorschein. Wir waren, sind und bleiben für immer und ewig ein Individuum.

Wer sich für den wahren Buddhismus und das Erreichen von Nirvana interessiert, dem empfehle ich die Schriften von Dr. Georg Grimm (1868-1945) und Christian Anders (Lanoo).

Siehe auch