Blogbeitrag vom 31. Oktober 2014

Was ist Erotik?

In meinen Augen ist Erotik eine Kombination aus attraktivem Äusserem (Körper) und attraktivem Inneren (Persönlichkeit). Dabei können die Anteile unterschiedlich sein. Während bei einigen Menschen, wahrscheinlich häufiger Männern, das Aussehen der anderen Person (die körperliche Attraktivität, die sexuellen Merkmale etc.) wichtiger ist als die inneren Werte, manchmal sogar deutlich wichtiger, können bei anderen Menschen, wahrscheinlich häufiger Frauen, die inneren Werte im Vordergrund stehen.

Klar, ein attraktiver Körper ist immer eine gute Basis für Erotik. Doch was passiert, wenn Sie mit einer Person, die einen sehr schönen Körper hat, zu sprechen beginnen und dann feststellen: Oh je, ist der (oder die) oberflächlich, langweilig, stur, einfältig, rassistisch, auf bestimmte Dinge fixiert usw.? Empfinden Sie diese Person dann immer noch als erotisch? Wahrscheinlich nicht. Auf der anderen Seite kann eine Person, die auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv ausschaut und nicht unbedingt den gängigen Schönheitsidealen entspricht, durch ihre Mimik und Gestik, ihre Augen, ihren Gang, ihre Handlungen, ihren liebevollen Umgang mit anderen Menschen usw. plötzlich dennoch als sehr erotisch empfunden werden. Manche Menschen finden auch einzelne Körperteile wie beispielsweise schöne Hände oder Haare besonders erotisch, oder eine angenehme Stimme, Humor, Kochkünste, Intelligenz, gesellschaftlicher Status, Erfolg, Macht, Geld usw. Ein sympathisches Gesicht ist für viele Menschen ein besonders wichtiger Bestandteil von Erotik.

Erotik geht in meinen Augen deutlich über reine Sexualität, über sexuelle Stellungen, Geschlechtsverkehr, Sexspielzeuge, Pornos, Orgasmus etc. hinaus. Erotik hat sehr viel mit Nähe zu tun, mit geistig-seelischer Anziehungskraft und Persönlichkeit. Deshalb kann Erotik meiner Meinung nach auch nur bedingt in Bildern/Fotos ausgedrückt werden. Für wahre Erotik muss man die andere Person erleben und emotional spüren. Dabei sind das Gesicht und die Augen häufig eine Art Vermittler und Zwischenstation zwischen Körperlichem und Geistigem. Ein liebevoller und zärtlicher Blick kann sehr erotisch sein. Zu einem echt liebevollen Blick ist in der Regel aber nur jemand fähig, der andere Menschen tatsächlich mag. Erotik hat deshalb auch viel mit Respekt, Würde, Integrität und der Fähigkeit seine Mitmenschen zu achten und lieben zu tun.

Erotik ist zu einem grossen Teil Nähe, und zwar seelische und emotionale Nähe. Sie können einer Person körperlich extrem nahe sein, zum Beispiel beim Geschlechtsakt, und sich ihr dennoch nicht verbunden und weit entfernt fühlen. Auf der anderen Seite kann sich eine Person körperlich weit entfernt von Ihnen aufhalten, zum Beispiel in einem anderen Land, und Sie können sich dieser Person trotzdem extrem nahe und verbunden fühlen. Wahre Nähe ist nicht an den Körper gebunden.

Manche Menschen versuchen mangelnde seelische Nähe zu anderen Menschen und generelle Defizite im Leben durch übermässige körperliche Nähe (z.B. häufige sexuelle Beziehungen, Affären, One-Night-Stands usw.) zu kompensieren. Auf Dauer kann dies aber nicht funktionieren, da rein körperliche Beziehungen nicht in der Lage sind, seelische Defizite, Liebe, echte Nähe und Vertrauen zu ersetzen.

Erotische Erlebnisse nur durch Augenkontakt?

Kann man eine andere Person nur mit den Augen verführen? Kann man sexuelle Erlebnisse mit einer anderen Person haben, ohne diese jemals berührt zu haben? Ja, kann man. Wenn Sie den Wunsch haben mit einer anderen Person intim zu sein, dann können Sie ihr das über die Augen vermitteln. Sie können der anderen Person Ihre eigenen Gefühle, Ihre Phantasien und Ihren Wunsch sexuelle Gefühle inklusive Orgasmus mit ihr erleben zu wollen, mit den Augen mitteilen, ohne jemals ein Wort darüber zu sprechen.

Wenn Sie keinerlei egoistische Motive haben, die andere Person nicht unter Druck setzen, wenn Sie die Würde und die Wünsche der anderen Person vollkommen respektieren und sie ehrlich und aufrichtig lieben, dann wird Ihnen die andere Person im Idealfall (ebenfalls mit den Augen) antworten, und Sie werden wissen, dass diese Person Ihre sexuellen Phantasien mit Ihnen teilt.

Aber Achtung: Da die meisten Menschen nicht an solche (halb-telepathischen) Beziehungen gewöhnt sind und diese oftmals deren Fähigkeiten übersteigen , wird die andere Person, falls Sie sich von Ihnen angezogen fühlt, wahrscheinlich versuchen mit Ihnen in Kontakt zu kommen, indem sie Sie anspricht oder ähnliche Versuche unternimmt (Mail, Brief, soziale Medien etc.) um mit Ihnen in einen Austausch zu kommen. Es ist also gut möglich, dass die andere Person Ihren Wunsch nach einer rein spirituell-sexuellen Beziehung (ohne Körperkontakt) nicht versteht und sich schliesslich enttäuscht abwendet.

Wenn der Austausch aber klappt und die andere Person Ihren Wunsch teilt, bedeutet dies: Sie erleben sexuelle Gefühle, indem Sie an die andere Person denken und befriedigen sich selbst mittels Ihren erotischen Phantasien und Vorstellungen betreffend der anderen Person (z.B. am Abend wenn Sie bei sich zu Hause im Bett liegen). Und die andere Person erlebt sexuelle Gefühle mit Ihnen und befriedigt sich selbst mittels erotischen Phantasien. Und sie beide wissen voneinander, dass sie dies tun (über den Augenkontakt). Natürlich könnten sie beide, wenn sie das wollten, auch "richtigen" Sex haben, sich also wirklich körperlich vereinigen. Aber die körperliche Ebene ist gar nicht notwendig, da sie ja spirituell bereits miteinander Sex haben und eine grössere Nähe, Intimität und Vertrautheit auch durch "echten Körpersex" nicht erreichen können.

Bei der Liebesbeziehung allein durch Augenkontakt (gegenseitiges Erleben von sexuellen Gefühlen und Orgasmus ohne Körperkontakt) sind Sie in der Lage Ihre erotischen und sexuellen Vorlieben und Wünsche noch freier zu leben, als Sie dies in einer körperlichen Beziehung tun könnten. Sollten die beiden Personen unterschiedliche sexuelle Praktiken (Stellungen, Methoden, Spielzeuge etc.) bevorzugen, ist auch das möglich, da in seiner Vorstellung jeder seine Vorlieben voll ausleben darf und kann. Das ist Erotik, Sinnlichkeit, Freiheit und Spiritualität pur!

Wenn Sie und/oder die andere Person einen Partner haben, dann brauchen sie beide ihren eigenen Partnern nicht untreu zu werden (zumindest nicht körperlich), sondern können ihre sexuellen Phantasien einfach mit der anderen Person teilen und wunderbare Erlebnisse mit ihr haben, ohne dass Ihr eigener Partner irgendeinen Nachteil daraus hat, im Gegenteil. Da Sie selbst glücklicher sind, profitiert auch Ihr Partner von Ihrem glücklicheren Zustand.

Die Liebesbeziehung durch Augenkontakt ist in erster Linie ein spiritueller Akt, welcher durch die geistig-seelische Nähe und Verbundenheit der beiden Personen zustande kommt. Dabei kommt aber auch der Körper durch das Erleben sexueller Gefühle und Orgasmus voll auf seine Rechnung. Während bei einem normalen Geschlechtsakt und Orgasmus unter Umständen nur der Körper (kurzzeitig) befriedigt ist, das geistige Wesen, welches den Körper bewohnt (Sie selbst!), aber trotzdem unglücklich und unbefriedigt bleiben kann, kommen bei der geistigen Liebesbeziehung sowohl Körper als auch Geist/Seele voll auf ihre Kosten.

Erotische Erlebnisse nur durch Gedankenkraft?

Wenn Sie eine noch höhere Ebene geistig-spiritueller Fähigkeit erreichen, können Sie sogar mit einer anderen Person erotische Erlebnisse haben, ohne dieser Person Ihre Wünsche mittels den Augen mitteilen zu müssen, ohne sie überhaupt zu sehen. Sie können die andere Person allein mittels Gedankenkraft (telepathisch) erreichen.

Konkret könnte dies bedeuten, dass Sie mit einer Person, die in einer anderen Stadt oder einem anderen Land lebt (die räumliche Distanz spielt keinerlei Rolle), spirituell in Kontakt treten, und zwar einfach in dem Sie an die betreffende Person denken und Ihre erotischen Phantasien in Gedanken mit ihr ausleben. Sie werden die andere Person auf diese Weise (gedanklich) erreichen und die andere Person wird nun, falls dies deren eigenem Wunsch entspricht, ihrerseits beginnen erotische Phantasien mit Ihnen zu haben und sich mit der Vorstellung, mit Ihnen zusammen zu sein, sexuell zu befriedigen. Und Sie beide könnten/würden voneinander wissen, dass sie dies tun.

Aber auch hier gilt, wie bereits oben erwähnt, und in noch stärkerem Ausmass: Falls die andere Person sich nicht auf einer Ebene befindet, auf welcher sie bewusst telepathisch kommunizieren kann, wird sie mit den Gedanken, die bei ihr ankommen (und die Sie ausgesendet haben), wahrscheinlich nicht viel anfangen können und in keinen telepathischen Dialog mit Ihnen treten. Wahrscheinlich wird in Zukunft, wenn die Menschen wieder offener für diese Art des Austausches sind und die Fähigkeit zur Telepathie höher entwickelt ist, diese Form der Sexualität eine grössere Rolle spielen.

Natürlich kann man mittels Gedankenkraft noch andere Dinge tun, die über erotische Erlebnisse mit anderen Menschen hinausgehen. Sie können sich im Grunde (theoretisch) jeden Wunsch allein durch Gedankenkraft erfüllen. Jesus hat das teilweise ja auch getan, indem er beispielsweise andere Menschen durch Gedankenkraft/Liebe und der Mitteilung "Du bist geheilt/gesund" geheilt hat.

Ist gedankliche sexuelle Untreue falsch?

Darf man seine erotischen Phantasien und Wünsche (zumindest in Gedanken) ausleben? Darf man erotische Phantasien mit einem anderen Menschen als dem eigenen Partner haben? Oder ist das "Sünde"? Gemäss der strengen katholischen Lehre ist dies vielleicht tatsächlich falsch. Aber dann darf man sich wahrscheinlich auch nicht selbst befriedigen und andere natürliche Dinge tun, die eigentlich so selbstverständlich sind wie Essen und Trinken.

Tatsache ist: Ein Mensch, der seine Gefühle unterdrückt, seien es nun sexuelle Gefühle oder andere, wird auf Dauer krank. Was also mit sexuellen Phantasien und Wünschen machen? Hemmungslos ausleben mit One-Night-Stands, Affären, Prostituierten und Promiskuität? Oder jeden Gedanken und jede sexuelle Phantasie mit einem anderen Menschen als dem eigenen Partner unterdrücken, bekämpfen oder negieren?

Wir alle sind auch sexuelle und erotische Wesen. Ein Orgasmus, Zärtlichkeit und Nähe sind wunderschöne Gefühle und praktisch nicht zu übertreffen. Für die meisten von uns existieren, neben dem eigenen Partner, sofern man denn einen hat, noch weitere Menschen, die man ebenfalls als erotisch und sexuell attraktiv empfindet. Viele sind sich längst nicht mehr sicher (oder waren es nie), ob sexuelle Treue ein Leben lang das Richtige für sie ist. Die starken Gefühle des Verliebtseins und des sexuellen Begehrens am Anfang einer Beziehung lassen sich für viele auf Dauer nur schwer aufrechterhalten. Was also tun?

Meine Meinung hierzu ist: Seinem Partner körperlich 100%-ig treu zu sein (dieser kann natürlich auch vom gleichen Geschlecht sein) falls beide das wünschen, ein Leben lang , gleichzeitig aber seine erotischen Phantasien mit anderen Menschen (nur in Gedanken!) auszuleben, ist die ideale Methode um einerseits den eigenen Partner nicht zu verletzen und andererseits nicht unsere eigenen sexuellen Gefühle zu unterdrücken. Wahrscheinlich benötigt man dann aber getrennte Schlafzimmer (was zur Erhaltung der Erotik sowieso zu empfehlen ist).

Gar keine anderen sexuellen Gedanken und Phantasien als die mit dem eigenen Partner zu haben beziehungsweise haben zu dürfen, ist in meinen Augen für viele Menschen (nicht für alle!) schlicht unrealistisch und auf Dauer schädlich. Wer keine spirituellen "Aussenbeziehungen" braucht und seine sexuellen und erotischen Bedürfnisse ein Leben lang mit dem gleichen Partner zu erfüllen mag, Gratulation. Jeder nach seinen Wünschen und Bedürfnissen.

Was ist mit ausgefallenen sexuellen Praktiken, Fesseln, Sado-Maso usw.

Meine Ansicht: Solange beide Partner dies AUSDRÜCKLICH wünschen, Spass daran finden und niemand geschädigt wird, warum nicht? In meinen Augen bietet die Sexualität die höchsten Genüsse, die in diesem Universum erreichbar sind.

Nachtrag vom August 2017: Um vollständig frei zu werden und sich von jeder Anhaftung an die materielle Welt zu lösen, muss jegliche sexuelle Aktivität eingestellt werden. Siehe Sex, transformierte Sexualenergie und Drogen/Genussmittel.

Filmtipp: Männertreu mit Matthias Brandt und Suzanne von Borsody

Erotik

Zurück zum Blog